Engagement zum Reinschnuppern

Marius, Fynn und Natalie leisten einen Freiwilligendienst im Achatiushaus Wolbeck

So ganz sicher war sich Fynn nicht, wie es nach der Schule weitergehen sollte. Nach dem Abitur war es für ihn zu früh sich schon darauf festzulegen, was er sein ganzes Leben über machen will, sagt der 19jährige heute. Über Freunde hatte er dann von einem Freiwilligen Sozialen Jahr, kurz FSJ,  erfahren. Das Jahr bietet die Möglichkeit, vor Ausbildung und Studium nochmal verschiedene Bereiche des Arbeitslebens kennenzulernen. Und genau das wollte Fynn. Also entschied er sich für einen Freiwilligendienst in der Wohn- und Pflegeeinrichtung Achatiushaus in Wolbeck.

Seine Arbeit beginnt täglich um 9 Uhr. Er ist in der Tagespflege tätig, das bedeutet: Die Gäste, kommen zur Einrichtung, um dort den Tag zu verbringen und fahren danach wieder nach Hause. Nach einem gemeinsamen Frühstück betreut er die älteren Menschen, führt Freizeit- und Kreativangebote wie Ausflüge, Basteln und Spielenachmittage mit ihnen durch. „Es geht darum, mit den Menschen eine schöne Zeit zu verbringen“ fasst Fynn seine Arbeit zusammen. Dabei kann er auch viele eigene Ideen mit reinbringen. „Manchmal führe ich Gedächtnistrainings durch, spiele Stadt-Land-Fluss oder bastele auch mal etwas mit ihnen, das sie später dann mit nach Hause nehmen können.“ Dabei seien die meisten Gäste noch sehr selbstständig. „Die Betreuung der Gäste steht bei mir im Mittelpunkt“ sagt er, auch wenn ab und zu die älteren Menschen noch Hilfe etwa beim Gang zur Toilette benötigen.

Fynn ist einer von 12 Freiwilligen, die ihr FSJ dort leisten. Auch Natalie macht derzeit  ein freiwilliges Jahr im Achatiushaus. Anders als Fynn hatte sie schon Erfahrungen durch eine Pflegeausbildung gesammelt. „Aber da wollte ich nicht stehenbleiben, sondern noch Einblicke in andere Bereiche bekommen“, sagt die junge FSJlerin. „Der Freiwilligendienst bietet eben die Möglichkeit, in viele unterschiedliche Tätigkeiten reinzuschnuppern und so sein Blickfeld zu erweitern“ sagt sie. Jetzt arbeitet sie in der Betreuung der älteren Menschen, aber auch in der Küche und hilft bei pflegerischen Tätigkeiten aus.  Dadurch lernt sie nochmal weitere Aufgaben kennen. Das hilft den Freiwilligen, denn das FSJ ist vor allem auch ein Bildungsjahr, betont Anke Flender, Leiterin des Sozialen Dienstes des Hauses: „Es gibt bei uns viele Tätigkeiten, in denen die Freiwilligen Einblicke bekommen können. Von der Tagespflege, ambulanten Pflege, junge Pflege wie auch dem Sozialen Dienst bis hin zur Verwaltung gibt es Vieles, in das junge Freiwilligen reinschnuppern können.“

Auch Marius kannte die Einrichtung schon vor seinem FSJ. Er hatte bereits Erfahrungen im Rahmen eines Praktikums im Sozialdienst und auf der Station gemacht. Jetzt ist er in der jungen Pflege tätig. Auf dieser Station werden junge pflegebedürftige Menschen im Alter von 18 bis 60 Jahren betreut. „Mich hat es einfach gereizt, mit jungen Menschen zu arbeiten“ sagt er. Und das Jahr hat ihm auch dabei geholfen, die Berufswahl zu treffen. „Das FSJ war maßgebend für mich, danach eine Ausbildung als Heilerziehungspfleger anzufangen. Durch den Freiwilligendienst konnte ich in die Tätigkeiten erstmal reinschauen. Hier habe ich mich bestätigt gefühlt, dass das ein Weg ist, den ich einschlagen möchte.“ In der jungen Pflege hat Marius wiederkehrende Aufgaben. Seine Schicht beginnt meist damit, die Bewohner beim Frühstücken zu unterstützen. Danach kümmert er sich um anstehende Aufgaben: Manchmal muss ein Bett desinfiziert werden, manchmal spielt er Spiele mit den Bewohnern oder steht ihnen auch einfach mal als Gesprächspartner zur Verfügung. Gerade das ist etwas, was ihm sehr am Herzen liegt. „Die Beziehungsarbeit die hier stattfindet ist großartig und beflügelt mich“ sagt er. „Es ist immer wieder interessant, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen und sie zu unterstützen.“
Dass der jüngste Bewohner in der jungen Pflege gerademal 26 Jahre alt ist, sieht Marius nicht als Belastung, sondern vielmehr als Chance: „Hier sind wir noch am Puls der Zeit, hier spürt man das Leben.“ Doch auch das Sterben gehört mit zum Alltag. „Die erste Berührung mit dem Tod hat mir die Schuhe ausgezogen, das war schon krass, das hat mich gepackt“ sagt Marius sehr deutlich. „Aber auch damit lernt man umzugehen.“

Wenn Marius, Natalie und Fynn auf ihr freiwilliges Jahr zurück blicken, sind sie sich einig, dass sie sich weiterentwickelt haben. „Ich bin heute nicht der Gleiche, der hier angefangen hat“, sagt Marius, „ich habe mich in vielerlei Hinsicht weiterentwickelt und gehe jetzt anders auf Menschen zu.“ Und Natalie ergänzt: „Gelernt habe ich vor allem, geduldig zu sein. Zudem konnte ich durch das FSJ meinen Blick auf dieses Arbeitsfeld erweitern.“
„Ich glaube“, sagt Fynn, „wir jungen Leute bringen hier viel frischen Wind und neue Ideen mit in die Einsatzstelle.“ Und er ist sich sicher: „Jetzt bin ich vor allem empathischer und viel sicherer im Umgang mit Menschen – und zwar nicht nur mit Älteren!“