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Praktische Erfahrungen zur Orientierung

Noa Lia leistete ihr FSJ in der Raphaelsklinik in Münster

Wie bist du zum Freiwilligendienst gekommen?

Nach meinem Abitur habe ich mir viel Druck gemacht, mich möglichst schnell für ein Studium zu entscheiden. Gleichzeitig wollte ich nichts beginnen, bei dem ich mir nicht sicher bin und dennoch keine Zeit „verlieren“. Da ich mein Abitur in Spanien absolviert habe, entschied ich mich bewusst für einen Tapetenwechsel. Ich wollte Abstand gewinnen, Zeit für mich selbst haben und mich in Deutschland orientieren, da es hier eine große Vielfalt an Praktika und Möglichkeiten gibt. Zudem war ich unsicher, ob ich später in Spanien oder in Deutschland studieren möchte. Das FSJ bot mir daher eine ideale Gelegenheit, mich beruflich zu orientieren und durch praktische Erfahrungen herauszufinden, was mich wirklich interessiert.

Warum hast du dich für deine Einsatzstelle entschieden?

Der wissenschaftliche und medizinische Bereich hat mich schon immer sehr interessiert. Insbesondere habe ich darüber nachgedacht, Medizin zu studieren oder später als Chirurgin zu arbeiten. Darüber hinaus hat mir der Umgang mit Menschen schon immer Freude bereitet. Ich war sehr neugierig darauf, den Arbeitsalltag in einem Krankenhaus kennenzulernen und Einblicke in die Abläufe sowie den Umgang mit Patient*innen zu gewinnen.

Was sind deine Aufgaben und wie sieht dein Arbeitsalltag aus?

Mein Arbeitsalltag ist sehr abwechslungsreich und umfasst unterschiedliche Aufgaben. Der Schwerpunkt liegt im direkten Kontakt mit den Patient*innen. Wenn Unterstützung benötigt wird, bin ich Ansprechpartnerin und frage nach, wie ich helfen kann. Sollte eine Aufgabe meine Kompetenzen überschreiten, informiere ich eine Pflegekraft. Nach Rücksprache und Einschätzung durch eine Anleitung darf ich außerdem einfache medizinische Tätigkeiten übernehmen, wie das Messen von Blutdruck, Puls oder Sauerstoffsättigung, was für mich eine sehr wertvolle Lernerfahrung ist.
Darüber hinaus unterstütze ich bei der Einhaltung und Verbesserung der Hygiene, die im Krankenhaus eine zentrale Rolle spielt. Dazu gehört beispielsweise das Vorbereiten von Patientenzimmern nach einer Entlassung. Auch die Essensvorbereitung sowie die Unterstützung der Patient*innen beim Essen zählen zu meinen Aufgaben.

Was gefällt dir besonders gut an deiner Arbeit?

Besonders schätze ich, dass ich im Alltag sehr viel lerne. Ich treffe auf viele unterschiedliche Patient*innen und erlebe vielfältige Situationen. Der persönliche Kontakt, das Helfen und die Gespräche mit den Menschen gefallen mir sehr. Viele Patient*innen sind dankbar für ein offenes Ohr und ich empfinde es als bereichernd, ihnen Zeit und Aufmerksamkeit schenken zu können.

Welche Herausforderungen gibt es in deinem Freiwilligendienst?

Eine Herausforderung besteht darin, Grenzen zu setzen und die eigenen Belastungsgrenzen zu erkennen. Es ist wichtig, sowohl gegenüber Kolleg*innen als auch gegenüber Patient*innen klar zu kommunizieren. Beispielsweise, wenn mehrere Aufgaben gleichzeitig anfallen und man sich überfordert fühlt, oder wenn man gebeten wird, Tätigkeiten zu übernehmen, für die man nicht zuständig oder ausgebildet ist.

Was hast du durch deinen Freiwilligendienst gelernt?

Der Freiwilligendienst hat mir geholfen, meine Studienwünsche zu klären und besser zu verstehen, welche Bereiche mich wirklich interessieren. Zudem habe ich einen wertvollen Einblick in die Arbeitswelt erhalten. Ich konnte vielfältige praktische Erfahrungen sammeln, meine Kommunikationsfähigkeit verbessern und habe gelernt, mich klar, respektvoll und empathisch auszudrücken. Außerdem habe ich mehr Geduld entwickelt und ein tieferes Verständnis dafür gewonnen, wie wichtig Gesundheit ist.

Inwiefern unterstützt dich das DRK als Träger deines Freiwilligendienstes?

Das DRK hat mich in vielerlei Hinsicht unterstützt. Besonders wertvoll sind die Seminarwochen, in denen man andere Freiwillige kennenlernt, Erfahrungen austauscht, neue Perspektiven gewinnt und Zeit zur persönlichen Reflexion hat.
Darüber hinaus habe ich viel Unterstützung durch das DRK-Team erhalten. Sie haben mich in meiner Einsatzstelle besucht und in einem Beratungsgespräch konnte ich von meinen Zweifel und Sorgen zur Studienwahl erzählen. Dabei wurde ich ermutigt, meine Ziele klarer zu formulieren und neue Möglichkeiten in Betracht zu ziehen. Das DRK hat mir zahlreiche Perspektiven für die Zeit nach dem FSJ aufgezeigt und mir geholfen, meine Situation aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

Hast du schon Pläne für die Zeit nach deinem Freiwilligendienst?

Nach meinem Freiwilligendienst plane ich weitere Praktika in nicht-medizinischen Bereichen zu absolvieren und anschließend zu studieren. Ich werde nach Spanien zurückkehren und mein Studium in Málaga beginnen. Im Vergleich zu früher verspüre ich jedoch deutlich weniger Druck, sofort die „richtige“ Entscheidung treffen zu müssen. Ich habe gelernt, dass Umwege wertvolle Erfahrungen sind und persönliches Wachstum immer möglich ist. Egal, welchen Weg ich einschlage, ich werde daraus lernen und mich weiterentwickeln.

"Ich habe viel gelernt, zum Beispiel praktische Tätigkeiten wie Blutdruck messen, aber auch den Umgang mit Patient*innen. Dabei habe ich verstanden, wie wichtig es ist, Verantwortung zu übernehmen und eigene Grenzen zu erkennen. All das hat mir geholfen, mich beruflich zu orientieren und persönlich zu wachsen" , resümiert Noa Lia ihren Freiwilligendienst.