„Langeweile kommt hier nicht auf“, sagt Swantje, wenn sie über ihren Alltag im FSJ spricht. Denn an der Regenbogenschule in Münster scheint irgendwie immer etwas los zu sein.

Erst vor zwei Wochen noch fand das Schulfest statt, an dem Eltern und Interessierte einen Einblick in den Schulalltag bekommen konnten. Heute schmückten einige Freiwillige die Eingangshalle adventlich. Eine Krippe und ein Tannenbaum stehen im Eingangsbereich. Sterne hängen an den Glastüren. Gerade eilen die Schüler*innen zu ihren Räumen in denen AGs stattfinden, wie Rollstuhlhockey, Chor, Schüler*innenband, Hauswirtschaft oder Werken.

Mittendrin sitzen Swantje, Mara und Jana. Sie leisten ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) an der LWL-Förderschule in Münster. Für die Drei war völlig klar, dass sie gerne an diese Schulform möchten.

„Lange vor dem Abitur habe ich schon in der Schule hospitieren können“, meint Mara. Jetzt ist sie froh dort das FSJ zu machen, schließlich will sie später auch gerne in diesem Bereich beruflich tätig werden. Auch Swantje will später als Grundschullehrerin in den Schuldienst treten. „Hier kann ich schon mal erste Blicke hinter die Kulissen werfen. Außerdem spielt die Inklusion eine immer wichtigere Rolle in vielen Schulen, da kann ich hier schon wichtige Erfahrungen sammeln.“ Für Jana ist das FSJ eher Plan B, denn eigentlich wollt sie ein Jahr lang ins Ausland. So unterschiedlich ihre Wege ins FSJ sind, so einig sind sie sich, dass das FSJ eine gute Entscheidung für sie war.
Mara, Swantje und Jana sind in der Grundstufe eingesetzt. Sie kümmern sich um die Kinder zwischen sechs und neun Jahren.
Feste Zeiten regeln den Schulalltag: Um 07.30 Uhr starten die Freiwilligen in der Schule, dann holen sie die Kinder von den Bussen ab. Der Unterricht startet meist im Stuhlkreis, es wird gesungen, das aktuelle Datum und der Unterrichtsplan für den Tag aufgestellt und auch mal davon berichtet, was die Kinder alles so am Vortag erlebt haben. Die drei Freiwilligen unterstützen dann vor allem im Unterricht und helfen den Schüler*innen auch bei den Mahlzeiten und den Toilettengängen.
Bei Swantje in der Klasse lernen die Schüler in dieser Woche, die Türen des Adventskalenders in der richtigen Reihenfolge zu öffnen. In Maras Klasse werden gerade alle Buchstaben des Alphabetes durchgenommen. Dabei sei es am Anfang gar nicht so einfach gewesen, bei jedem Kind herauszufinden, was es schon kann, und was noch nicht, meint Jana. Schließlich müsse bei jedem Kind genau geschaut werden, was es benötigt und wie es gefördert werden könne. Ein einheitlicher Stoff im Unterricht, der von allen parallel unterrichtet wird, ist eher die Ausnahme. Entsprechend vielfältig sind die individuellen Förderangebote: Reittherapie, Snoezelen-Raum, ein Schwimmbad, therapeutische Angebote, Werkraum und viele weitere Angebote sind im Schulalltag fest integriert.
An der Schule werden Schüler*innen mit dem Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung unterrichtet.
Die Herausforderungen, um Schüler*innen mit ihrem individuellen Förderbedarf auch am Unterricht zu beteiligen, sind vielfältig. Mara arbeitet etwa in ihrer Klasse mit einem Mädchen, das eine Spastik hat. Ihr fällt es schwer zu reden. Ein „Talker“ hilft dabei, mit der Schülerin zu kommunizieren. Sie drückt dabei auf ein Tablet mit Symbolen, um auszudrücken, was sie sagen möchte. Viele der Schüler*innen sitzen im Rollstuhl und haben kognitive Beeinträchtigungen.
So vielfältig wie die Förderungen der Schüler*innen sind auch die Aufgaben für die Freiwilligen.
Neben der Unterstützung im Unterricht leisten sie auch eine Pausenbetreuung oder holen den Essenswagen zum Mittag aus der Küche. Nach Unterrichtsschluss unterstützen sie einmal wöchentlich Tätigkeiten wie Wäscheversorgung und Verwaltungsaufgaben im Schulsekretariat. Jeden Mittwoch versammeln sich die FSJ-ler zum Gruppentag, um sich fortzubilden. Zu Themen wie Gebärdensprache, Autismus oder Basale Stimulation bekommen sie von den Anleiter*innen in der Schule einen wichtigen Input. So können sie sich neben den praktischen Aufgaben im Alltag auch noch fachlich weiterbilden.
Dass Jana, Mara und Swantje in ihrem FSJ glücklich sind, merkt man schnell. „Die Mitarbeitenden haben sich Zeit genommen, um uns gut einzuarbeiten“, sagt etwa Mara. „Wir sind voll im Schulalltag und im Team integriert.“ Das Freiwillige Soziale Jahr bietet ihnen spannende Einblicke in den Alltag an der Förderschule, darin sind sie sich einig.